Ich bettel nicht mehr um Eure Unterschrift!

Jedes Mal vor Wahlen müssen Parteien, die nicht in einem Parlament vertreten sind, so genannte Unterstützungsunterschriften sammeln. In einer Partei, die eine unterstützende Basis hat, ist das relativ einfach. Als wir 2009 den Landesverband Bremen gegründet haben, kamen über 500 Unterstützungsformulare innerhalb von 8 Tagen per Post. Hier konnte man zu Recht von Unterstützungsunterschriften sprechen.

Inzwischen unterschreiben nicht mal mehr die meisten Mitglieder. Man steht an Ständen und bettelt fremde Menschen an, ihre Adressdaten und ihre Unterschrift einer Partei zu geben, die sie im Allgemeinen nicht mal wählen werden und die inzwischen ungefähr die selbe Relevanz hat wie die Tierschutzpartei oder die Violetten.

Dabei sind die Themen der Piraten aktueller denn je.

Der Bundestag beschließt so nebenbei einen unfassbaren Eingriff in unsere Privatsphäre durch den Staatstrojaner. Und scheint sich noch selbst darüber lustig zu machen.

Transparenz und Freiheitsrechte sind uns wichtig. Für noch jemand?

Vor Jahren sind wir wegen von der Leyens Internetsperren auf die Straße gegangen. Und heute protestiert niemand mehr gegen Autobahnprivatisierung, NSU Skandale oder gegen das NetzDG. NetzDG? Da sollen ja auch nur vermeintliche Rechtsverstöße nicht mehr von einem Gericht geprüft werden, sondern von Privatkonzernen. Das ist eine staatliche und demokratische Bankrotterklärung!

Milliarden sackten korrupte Banker in ihre und die Taschen ihrer Kunden durch Cum-Ex Geschäfte und belohnten danach die korrupten Politiker durch gut bezahlte Posten, Reden oder was weiß ich. Rechenschaft? Was ist das? Verantwortung? Kennt das jemand? Steht jemand, im übertragen Sinn, mit der Mistforke vorm Parlament und fordert Knast, Rücktritte oder wenigstens eine Entschuldigung?

Den Medien kann man nur Komplettversagen attestieren. Die stürzen sich lieber auf einen Tweet, den irgend ein Depp unüberlegt rausgehauen hat, anstatt dauerhaft, intensiv und gut recherchiert auf gesellschaftliche Missstände hinzuweisen.

Anscheinend bewahrheitet es sich, dass Menschen nur unter extremen Druck und Leid zu Veränderungen bereit sind. Gut, dann lasst Eure PCs vom Staat verwanzen! Sollte irgendwann die AFD regieren, freuen die sich schon heute auf eine geile Infrastruktur. Lasst Konzerne für Euch entscheiden, was ihr sagen dürft und was nicht. Schenkt den Reichen noch mehr von Eurem Geld. Da Ihr der Autobahnprivatisierung so gelassen zuschaut, schafft Ihr die perfekte Grundlage auch Wasser und Luft in private Investorenhände zu geben. Die können das doch eh besser als der Staat. Lasst Euch von Kriegshetzern und Rüstungslobbyisten in einen Konflikt mit Russland treiben und das Grundgesetz am Hindukusch, in Syrien und sonst wo verteidigen. Das das meist durch illegale Kriege geschieht ist Euch doch egal.

Gesetzgebung und Gesetz sind nicht mehr für alle da. Wir haben nicht nur eine Zweiklassengesellschaft im monetären Bereich, sondern auch in Legislative und in der Judikative. Unsere Gesellschaft fußt eben nicht auf Monarchen oder göttlichen Offenbarungen, sondern auf dem Recht. Und wenn man das Recht nicht mehr achtet, dann entzieht man der Gesellschaft seine Grundlage. Das ist wesentlich gefährlicher, als den meisten Menschen bewusst ist.

Vom Programm her ist die Piratenpartei notwendiger denn je und doch ist sie für die meisten Menschen inzwischen völlig bedeutungslos.

Wir haben mit viel Engagement in den letzten Jahren den Laden am Laufen gehalten. Dabei haben wir die meiste Kraft zur Aufrechterhaltung verbraten und nicht, um neue Ideen und Konzepte zu entwickeln und die alten scheinen keinen mehr zu ineressieren.

Wir haben keine Basis mehr. Weder in einer ausreichenden Anzahl an aktiven Mitgliedern, noch in der Bevölkerung. Auf Augenhöhe mit anderen Kleinstparteien versuchen wir auf gravierende gesellschaftliche Probleme wie Arbeit 4.0 hinzuweisen und Lösungsansätze zu diskutieren.

Und? Wen kratzt das? Den Großteil der Bevölkerung anscheinend nicht. Und auch nicht unsere eigenen Mitglieder. Die kriegen ja nicht mal den Arsch hoch, um ein paar popelige Unterstützungsformulare auszudrucken und uns zukommen zu lassen.

Ich habe keine Lust mehr um Unterschriften zu betteln. Dann treten wir eben nicht an. Scheint außer uns selbst eh keinen zu belasten.

Erich


Kommentare

11 Kommentare zu Ich bettel nicht mehr um Eure Unterschrift!

  1. Pingback: Ich bettel nicht mehr um Unterschriften – Update! | Piratenpartei Bremen

  2. FG aud D schrieb am

    Hallo Erich,

    korrekt wiedergegeben zeigt auch die Erfahrung aus NRW und wir sind noch einer der größten Landesverbände. Langsam glaube ich das es besser wäre garnicht anzutreten und den Bürger in sein Verderben rennen zu lassen.
    Köpfe hängen lassen geht aber nicht, also bis 17.07.2017 18.00 Uhr rennen und dann wissen wir das das Volk/Bürger es einfach nicht wollte

  3. Ich fasse es nicht. Ich reiße mir auch grade den Allerwertesten auf, um Unterschriften zusammenzukriegen. Ja, es ist zäh. Ja, die Resonanz von Mitgliedern ist mau. Und? Wenn man schon zu der Erkenntnis gekommen ist, dass unser Programm notwendiger denn je ist, kämpft man halt mit allen Mitteln bis zum Ende und erklärt sich nicht selbst für tot. Wir haben kein Problem mit unseren Inhalten. Wir haben ein Problem mit Leuten, die zu früh aufgeben!

  4. SammelnderPirat schrieb am

    Ich will die Probleme gar nicht bestreiten, aber nicht zu betteln ist auch keine Lösung.
    Wenn wir nichts tun, tut keiner etwas gegen Überwachung. Kleine Schritte sind besser als nichts, so frustrierend das auch sein mag.
    Also: immer weiter machen. Auch bezüglich der Unterstützungsunterschriften.

  5. Oliver Burkardsmaier schrieb am

    Toll, dass ihr unsere Partei schon selbst tot schreibt.
    Muss das sein?
    Wenn ihr keine Basis habt, wie ihr meint, dann habt ihr es versäumt, eure Basis aufzubauen und zu pflegen.
    Hört auf zu heulen, und macht euch an die Arbeit! Von alleine wird das nichts werden.

    Höchst verärgerte Grüße aus Stuttgart

    Oliver

  6. Jano schrieb am

    Oder anders gefragt zur internen Reflektion:

    Wird Unterschriften sammeln VON Piraten noch als Aufklärngsakt bzgl. Korruption, Massenmanipulation, Massenüberwachung, … & Repression gesehen?

    Wird Unterschriften sammeln FÜR Piraten noch als Protestakt gegen Korruption, Massenmanipulation, Massenüberwachung, … & Repression gesehen?

    Wie sieht es aus mit einer Kombi von G20-Mobilisierung und Unterschriften sammeln?

  7. Jano schrieb am

    Lieber Erich,

    es gab irgendwann mal bei Piraten ein kritisches Bewusstsein bzgl. der Notwendigkeit, das System zu ändern und neue, partizipative Entscheidungsverfahren zur Fortentwicklung eines überholten Top-Down-Parteiensystems zu praktizieren.

    Dieses kritische Bewusstsein bzgl. der Systemfehler, auch die Systemfehler vom falschen Liquid Feedback, ist verloren gegangen. Elitäre der Piraten haben dahingehend sehr viele Vorstöße der Basismitglieder verhindert, ausgebremst und viele Hoffnungen enttäuscht, und die gleichen Fehler werden gleichfalls aufgrund der Systebugs immer wieder gemacht. Statt ganzheitlicher Aufklärung über Systemfrage und Kritik laufen die Piraten mit Einzelthemen herum und verschweigen sogar konsequent die inherenten antidemokratischen Systemfehler hinsichtlich einer transparenten, werteorientierten, unmaniulierten Entscheidungsfindung und glauben, Information über fortschreitende Massenüberwachung sei vom Thema Massenmanipulation und Elitärherrschaft entkoppelt noch ein Aufklärungsakt, und wundern sich, warum kaum ein Bürger aufgeklärt reagiert und glaubt, Piraten wären zur aktuellen Sicherheitsheuchelei eine Alternative.

    Man darf auch nicht vergessen, dass die Piraten, die jetzt noch da sind und Posten anstreben, vielmals genau die sind, die piratige Mandate und jahrelange Arbeit bzgl. basisdemokratischer Entscheidungsfindung zu nichte gemacht haben, ob das nun der Basisentscheid ist oder die Neuentwicklung echter liquider Demokratie, und kurz nach Antritt erst mal die Presse austauschen, wie andere Diktatoren auch. Gerade durch die Intransparenz in der Entscheidungsfindung, lässt sich aber der Kampf gegen die Demokratisierung bei Piraten auch wiederum gut vertuschen. Das passiert nicht nur in Bayern. Auch in Berlin war man so geistesabwesend und führte ALTES LQFB, das von dem Großteil der Basis schon lange als scheindemokratisch diskutiert und erkannt wurde, wieder ein.

    Hier gibt es sozusagen eine eklatante Lücke zwischen der Weisheit der Vielen in vielen Teilen der ehemaligen Basis und Piaten-Befürwortern und den Einstellungen und Handlungen der Patriarchen und Aktiven in der (Rest-)Partei, die lieber ohne SMV, Basisentscheide und weteorientierte Qualitätssicherung arbeiten und bei denen die vielen parteiinternen Aufrufe, die Systemfrage zu stellen und funktionale Stellschauben in Richtung mehr Demokratie zu ändern aufgrund ihrer eigenen Postenwünsche und geistigen Begrenzung in der Regel wie eine Seifenblase zerplatzt. Zudem macht die mangelnde systeminherente Qualitätssicherung die Aussichten auch nicht besser, sondern schlechter.

    Was meine Motivation angeht, für Systemkonformisten und Systemprotegierer, Zensierer, Demokratisierungs- und piratiges Mandat-Killer, wie Sekor und Co z.B. noch Stimmen zu sammeln, damit die sich in einem hoch korrumpierbaren System die Eier reich schaukeln, hält sich massiv in Grenzen. Denn die Befürwortung von derem Erfolg wäre dann die Fortsetzung eines pervertiertes Belohnungssystems. Wäre sicher anders, wenn die A.-Quote z.B. auf der Liste in Bayern nicht so hoch wäre. I’m Sorry. Im Grunde scheint mir der aktuelle Zustand der Piratenpartei nach jahrelangen hierarchischen Konformitätsexperimenten nun aktuell soweit, dass der Großteil der Aktiven und Antretenden systemkonform ist und nicht mal im Ansatz mehr weiss, was überhaupt eine Systemfrage ist. Von daher fehlt uns schon seit längerem eine neue protestaffine Partei, die sich damit beschäftigt. Viele glauben, sie finden das in der AfD. Und auch an diesem Problem sind die Piraten und parteiinterne Machtkämpfe zu ungunsten von Kontinuität und Wertesynergien wahrscheinlich mitschuld, weil sie jegliche Beschäftigung mit Korruption und ganzheitlicher Systemkritik entweder bekämpft, unterdrückt oder im Sinne ihrer eigenen Karriere für wenig förderlich erkannt haben. Die Leute sind aber wiederum hier auch wenig feedbackgeneigt, sondern bleiben einfach als Lakeien fern, sodass es bei den Übrigbleibenden auch nur noch selten zu wirklich größeren Denkanstößen und parteiinternen Aha-Erlebnissen kommt.

    Ich glaube, so fühlt es sich an, wenn der Karren im Dreck steckt. Dass uns das in der Konsequenz so bedrückt, tut mir wiederum leid, aber ich konnte es auch nicht ändern und in dieser Partei scheint mir mittlerweile fast komplett das kritische Bewusstsein bzgl. Systemfrage abhanden gekommen zu sein. Ich zahle keinen Beitrag, weil ich nicht für’s Mobben zahle und sammele keine Unterschriften für Leute, die schon beschlossenen Basisentscheid und grundwerteorientierte Qualitätssicherung verhindert haben und weil ich zumindest die Besetzung der Liste in Bayern für keinen Zugewinn hinsichtlich ganzheitlicher Aufklärung und essentieller Bearbeitung der Systemfrage halte, geschweige denn für den Einsatz und die Verbesserung partizipativer Entscheidungsfindung und echter, liquider Demokratie.

  8. Flipper schrieb am

    „Vom Programm her ist die Piratenpartei notwendiger denn je“
    Sagt wer? … Eine Partei, die keiner mehr wählen mag, die in die Bedeutungslosigkeit schrumpft.?
    Das sind doch die Tatsachen.
    Wie kommt ihr also auf die Idee, dass euer Programm wichtig wäre für dieses Land?
    Hört ihr euch eigentlich auch mal selber zu?

    Und wieso wettert ihr gegen den Bundestrojaner?
    Ist es nicht so, dass IHR selbst die bedingungslose Willkommenskultur gepredigt habt und diese nach wie vor fordert?
    Was glaubt ihr eigentlich wie der Staat bei offenen Grenzen noch die innere Sicherheit gewährleisten soll? Schon mal über die Folgen eurer angestrebten Politik nachgedacht?

    Also noch mal:

    Hört ihr euch auch mal selbst zu??

  9. Seepferdchen schrieb am

    Tja Erich, so sieht’s wohl aus. Die Frage ist: Können wir noch was daran ändern? Dabei ist mir sogar relativ egal, wir das Ändern im Rahmen dieser Partei stattfindet oder anderswo.

    Alles so zu belassen, wie es ist, sprich den Weg des ungebremsten Wachstums und der immer ungerechteren Verteilung seiner Erträge weiter zu gehen, führt zwangsläufig schon mittelfristig in den Abgrund. Wir sind deshalb mehr oder weniger zum Ändern verdammt – auch wenn wir nicht auf dem Wahlzettel stehen.

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